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«Stichstrasse sticht ins Herz»

23. Oktober 2008
 
Emotionale Debatte zur Ortsplanungsrevision in Münchenbuchsee

Der trockene Stoff Ortsplanungsrevision schürt derzeit in Münchenbuchsee die Emotionen. Am Informationsabend der Gemeinde sprachen sich vor allem Direktbetroffene gegen das Projekt aus, über das am 30. November das Volk abstimmen wird.

Alle machten ernste Gesichter, kaum jemand lachte: Sieben Behördenvertreter stellten sich am Dienstagabend im Saal der Freizeitanlage Münchenbuchsee den ungefähr 150 anwesenden Einwohnerinnen und Einwohnern und verteidigten die geplanten Neueinzonungen. Der Gemeinderat steht einstimmig hinter der Vorlage, und der Grosse Gemeinderat hatte letzte Woche das Geschäft mit grossem Mehr angenommen («Bund» vom 17. 10.) Die Gemeindepräsidentin Elsbeth Maring-Walther (sp) genoss bei ihrem einleitenden Referat noch die Ruhe vor dem Sturm.

Strahmmatte als «Filetstück»

Maring betonte noch einmal, dass die Gemeinde mit den geplanten Neueinzonungen von Bauland in den Gebieten Riedli, Egg, Strahmmatte, Üedeli und Sandgrube kein Bevölkerungswachstum anstrebe. Es gehe vielmehr darum, die Bevölkerungszahl von 10000 Einwohnern zu halten.

Maring stellte anschliessend die einzelnen Parzellen vor, erklärte die geplanten Bauten, Strassenanpassungen und die Finanzierung der Infrastruktur. Dabei bezeichnete sie die Strahmmatte im Zentrum des Dorfes als eigentliches «Filetstück» der Vorlage, weil damit eine Zentrumsentwicklung möglich werde.

Keine Fundamentalopposition

Der Leiter der anschliessenden Diskussion, Moderator Toni Koller vom Regionaljournal des Schweizer Radios DRS, wies die Bürger vorab darauf hin, dass es keine Schande sei, sich aus persönlichen Interessen gegen das Projekt auszusprechen. Trotz diesem Hinweis erklärte niemand öffentlich, dass er oder sie grundsätzlich gegen das Projekt sei. Es ging vor allem um Detailfragen. Fundamentalopposition gab es trotz 43 hängigen Einsprachen nicht.

Migros auf Strahmmatte?

Patrizia Vökt meldete sich als Erste zum Inhalt der Neueinzonungen. Sie äusserte Befürchtungen, dass die Migros auf der Strahmmatte einen Neubau planen könnte und das Bauernhaus der Familie Strahm abgerissen werden könnte. Ortsplaner Andreas Gerber gab zur Antwort, dass in anderen Gemeinden die Erfahrung gemacht worden sei, dass sich meist niemand finde, der die Erhaltung und Renovation alter Häuser bezahlen wolle. Der Abbruch sei jeweils die Folge. Und er bestätigte, dass die Migros die Gemeinde für einen neuen Standort angefragt habe.

Unsichere Schulwegsituation

Beat Villiger warf der Gemeinde vor, nichts zur Sicherung der Schulwege unternommen zu haben. Keine der Versprechungen, die in der Mitwirkung gemacht worden seien, sei eingehalten worden: «Ich bin schockiert über diese Arroganz der Macht.» Mit der geplanten Stichstrasse im Gebiet Egg entstehe eine grausame Situation. Der ganze Verkehr werde somit den Hohlenweg hinaufgejagt und die Schüler würden eingegrenzt: «Die Stichstrasse sticht ins Herz», schloss er.

Auch Urs Zbinden befürchtete, dass durch den Mehrverkehr gefährliche Situationen auf den Schulwegen entstehen könnten. Dazu erklärte der stellvertretende Verkehrsplaner Thomas von Känel, dass eine flächendeckende Tempo-30-Zone in Planung sei. Auch bei der Oberdorfstrasse laufe die Planung und beim Hohlenweg seien Verbesserungen vorgesehen: «Die wichtigste Massnahme zur Steigerung der Verkehrssicherheit ist aber die Temporeduktion.»

Kurt Burkhalter gab zu bedenken, dass der Üedeliweg zu einer Durchgangsstrasse werden könnte. Zwar habe der Bauverwalter Walter Lanz versprochen, dass dies verhindert werde, aber: «Lanz ist nur noch bis Ende Jahr da.» Es war das einzige Votum, das für Gelächter im Saal sorgte.

Am Ende der Veranstaltung bemerkte eine Frau : «Es gibt auch Befürworter der Vorlage. Aber ich wollte nicht noch Öl ins Feuer giessen.» Für das Weiterbrennen des Feuers ist dennoch gesorgt: Selbst bei Annahme der Vorlage könnten die derzeit 43 Einsprecher den Rechtsstreit bis vor Bundesgericht weiterziehen. Der langjährige Planungshorizont der Vorlage würde damit um einige Jahre verlängert.

Ein Artikel aus

(Joel Weibel, Der Bund)


 
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