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Fechterinnen kämpfen elegant

27. November 2007
 
 


Der runde Tisch entspricht ihr. Elsbeth Maring-Walther will in Münchenbuchsee kommunikativ handeln. (Bild: Iris Andermatt)


«Ja, es gibt durchaus ein Privatleben neben der Politik», sagt Buchsis neue Gemeindepräsidentin Elsbeth Maring-Walther. In ihrer Freizeit trainiert sie fechten. Das nützt ihr auch im Beruf: Schläge einstecken gehört zu ihrem Job.


Auch eine Gemeindepräsidentin darf einen eigenen Stil und Geschmack haben. «Ins Büro kommen neue Farben und Poster von Mark Rothko», sagt Elsbeth Maring-Walther (SP). Sie übernimmt den Raum von Vorgänger Walter Bandi (SVP). Einiges wird anders: «Mindestens einen Teil der Stiche von Alt-Buchsi räume ich weg.»

Münchenbuchsees neue Gemeindepräsidentin will, wie sie sagt, «Frauen- und Familienanliegen» verwirklichen. Aha, denkt man, eine Softie-Frau, schönes Büro und überall Spielplätze. Doch Elsbeth Maring-Walther will sich nicht aufs Schnuckelige reduzieren lassen. «Ich möchte zwar kooperativ arbeiten und das Personal ernst nehmen, ich kann aber auch hart fordern.» Konkreter bitte. «Auf der Verwaltung hat es Mitarbeitende, denen man deutlich sagen muss, dass Termine einzuhalten sind», erklärt sie.

Linker Sieg

Elsbeth Maring-Walther hat die SVP-Politikerin Sonja Bucher knapp besiegt. Beide Kandidatinnen stellten fest, dass sie auch gegen Fundamentalgegner antreten mussten: Männer, die partout keine Frau im Präsidium haben wollten. Auf der Verwaltung habe sie keine solchen Geschlechterfundis angetroffen, freut sich Maring-Walther. Im Gegenteil: «Ich habe Anerkennung von Personen erhalten, die ich anders eingeschätzt habe.»

Walter Bandi arbeitet bis Ende Jahr mit einem 50-Prozent-Pensum. Elsbeth Maring-Walther hat ab Januar eine Vollzeitstelle. Eine Rund-um-die-Uhr-Präsidentin will sie trotzdem nicht sein. «Ja, es gibt ein Privatleben neben der Politik», sagt sie und zählt die Familie auf und die beiden erwachsenen Kinder. Das ist die Standardantwort, wenn Politiker vom Stubentisch erzählen sollen. Bei ihr kommt Aussergewöhnliches dazu: fechten.

Für die 52-Jährige ist der Sport wichtig, Ski fahren, Snowboarden und eben Fechten. Strategie sei hier wichtig, Konzentration. Wer gewinnen will, muss vorausdenken und ahnen, was der Gegner vorhat. All dies ist auch in der Politik wichtig.

In Münchenbuchsee haben sich seit den Wahlen im Oktober die Kräfte verschoben. Maring-Walthers Partei, die SP, hat Stimmen eingebüsst, die SVP hat dazugewonnen. Jetzt sitzen sich im Parlament je 20 linke und rechte Abgeordnete gegenüber. Im von neun auf sieben Köpfe verkleinerten Gemeinderat haben die Linksgrünen weiterhin eine Mehrheit. «Wenn wir im Gemeinderat die Geschäfte parteiübergreifend vorbereiten, werden wir auch im Parlament durchkommen», hofft Maring-Walther. Die SVP habe bei der Schulraumplanung bereits Kooperation signalisiert.

Rechter Lohn

Ganz ohne Treffer wird die Fechterin die anstehenden Politkämpfe wohl nicht überstehen. Unter anderem fürs Einstecken wird sie bezahlt. Gut bezahlt, 177 500 Franken brutto erhält sie jährlich. Eine angemessene Entschädigung sei das, findet sie. Belastung, Präsenz und Verantwortung seien gross. Verglichen mit anderen Gemeinden entschädige Münchenbuchsee dieses Amt im üblichen Rahmen. Trotzdem: Mit dem Einkommen von Ehemann Jacques-André Maring fliessen jedes Jahr fast 300 000 Franken aufs Konto. Dafür erhalte Buchsi aber auch einiges zurück, erklärt sie: «Wir bezahlen hohe Steuern», so Maring-Walther. «Diese überweisen wir zwar nicht mit grosser Freude, aber doch im Bewusstsein, dass wir gute Leistungen bekommen.»



Ein Artikel aus

(Peter Steiger, Berner Zeitung BZ)
 
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