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Münchenbuchsee will TV-Netz verkaufen

10. Dezember 2010
 
Cablecom bietet 4,2 Millionen Franken für das Kabelnetz Münchenbuchsees. Mitte Februar soll das Parlament über den Verkauf entscheiden.

Gemeinden mit eigenem Kabelnetz für den analogen TV- und Radioempfang stehen vor grossen Herausforderungen. Wollen sie den Anschluss an die technische Entwicklung nicht verpassen, stehen hohe Investitionen an. Dies hat Ittigen und Zollikofen, die ein gemeinsames Netz betreiben, unlängst zum Entschluss gebracht, die Anlage zu verkaufen (siehe «Bund» vom 15. 12. 2010). Nun ist auch die Nachbargemeinde Münchenbuchsee an diesem Punkt angelangt. Der Gemeinderat beantragt dem Parlament, den Verkauf in der Sitzung vom 17. Februar abzusegnen.

Die Gebühren werden steigen

Allein für die Werterhaltung des Netzes wären mittelfristig Investitionen von 2,5 Millionen Franken notwendig, schreibt der Gemeinderat in seiner Botschaft an das Parlament. Das Netz verliere täglich an Wert, und Fachressourcen seien in der Gemeinde nicht vorhanden. Kunden wechselten zur Konkurrenz, legten sich zum Beispiel einen digitalen Fernsehanschluss bei der Swisscom zu. «Es besteht Handlungsbedarf. Zum jetzigen Zeitpunkt können wir das Netz noch zu einem guten Preis verkaufen», erklärt der zuständige Gemeinderat Cesar Lopez (SVP) auf Anfrage. Konkret wurde mit Cablecom ein Kaufpreis von 950 Franken pro Anschluss ausgehandelt. Bei rund 4400 Abonnenten ergibt dies einen Betrag von knapp 4,2 Millionen Franken. «Cablecom hat uns unter Berücksichtigung aller Faktoren die beste Offerte unterbreitet», sagt Lopez. Es liegt aber noch ein zweites Angebot einer Investorengruppe auf dem Tisch. Das Parlament wird darüber beraten.

Für die Bürgerinnen und Bürger Münchenbuchsees würde sich der Verkauf des Netzes erst einmal im Portemonnaie niederschlagen. Derzeit bezahlen sie eine ausgesprochen tiefe Nutzungsgebühr von neun Franken pro Monat. Cablecom verlangt für ihr analoges TVAngebot 23.20 Franken monatlich. Aber: «Die Gebühren steigen so oder so, weil sich Investitionen aufdrängen», sagt Lopez. Auch in der Gemeindekasse würde kein Loch entstehen, weil die Einnahmen der monatlichen Grundgebühren wegfallen. Diese fliessen nämlich nicht in den allgemeinen Haushalt, sondern in eine Spezialfinanzierung, die ausschliesslich für Netzbau, -betrieb und -unterhalt verwendet werden kann.

Cablecom nicht unumstritten

Dieser an sich klaren Ausgangslage zum Trotz wird das Geschäft zu reden geben. Ein Grund dafür ist die Kaufinteressentin Cablecom. Auch in Zollikofen und Ittigen stand zur Diskussion, das Netz an Cablecom zu veräussern. Schliesslich fiel die Wahl dann aber auf EBL Telecom, eine Tochterfirma von Energie Baselland. «Wir haben EBL in Sachen Kundenfreundlichkeit besser beurteilt als Cablecom», begründet Liselotte Huber-Affolter (SP), zuständige Gemeinderätin von Zollikofen, den Entscheid. Und auch in der Gemeinde Toffen haben sich die Stimmbürger vor gut vier Jahren gegen einen Verkauf des Netzes an Cablecom entschieden, obwohl die Firma fast drei Mal mehr für das Netz bezahlt hätte als Konkurrent Energie Belp. Laut Gemeindepräsidentin Ruth Rohr waren die niedrigeren monatlichen Gebühren und «Grundvertrauen in einen regional verwurzelten Anbieter» ausschlaggebend. «Da kann man sicher sein, sich darauf verlassen zu können», sagt Rohr. Cablecom war zuvor unter anderem in die Kritik geraten, weil das Unternehmen verschiedene Fernsehsender aus dem analogen Grundangebot gestrichen hatte.

Cesar Lopez hat bezüglich Kundenservice von Cablecom keine Vorbehalte: «Cablecom unternimmt in diesem Bereich grosse Anstrengungen. Der Ruf einer Firma kann sich in kurzer Zeit ändern.»

Ein Artikel aus dem

(Christian Brönnimann, Der Bund)


50 Kabelnetzunternehmen
Laut Claudia Bolla-Vincenz, Geschäftsführerin des Verbandes der Kabelnetzunternehmen Swisscable, ist derzeit keine generelle Tendenz feststellbar, wonach Kabelnetze vielerorts privatisiert werden. Kleinere Gemeinden suchten aber vermehrt die Zusammenarbeit, um im Wettbewerb zu bestehen. «Diese Entwicklung wird sich in Zukunft noch verstärken», sagt Bolla-Vincenz. Gemäss Swisscable-Zahlen gibt es im Kanton Bern derzeit 50 Kabelnetzunternehmen.
36 davon befinden sich in privatem Besitz, 14 in öffentlichem Besitz. Eine Gemeinde mit eigenem Netz ist Muri. Obwohl Muri nur rund ein Fünftel grösser ist als Münchenbuchsee, ist der Verkauf des Netzes laut Gemeindepräsident Hans-Rudolf Saxer (FDP) kein Thema. In den letzten Jahren seien mehrere Millionen Franken investiert worden. «Die Bevölkerung schätzt es sehr, wenn beispielsweise bei Störungen Mitarbeiter vor Ort zuständig sind», sagt Saxer.
 
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