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Süssigkeiten als Motivationsspritze

16. Juni 2010
 
Lehrer kaufen in Münchenbuchsee ihren Schülern eine Glace oder ein Schoggistängeli – sollen sie dafür entschädigt werden?

Auf den Lehrerinnen und Lehrern wird viel herumgehackt, doch sie tun auch viel Gutes – nicht nur für Bildung und Erziehung der Kinder, sondern auch für deren Aufmunterung. In Münchenbuchsee gibt es für die Kinder beispielsweise ein Schoggistängeli am letzten Schultag oder eine Glace auf der Schulreise. Seit seine Kinder in Buchsi zur Schule gingen, komme dies immer wieder vor, schreibt Kuno Schläfli (GFL) in einer Motion mit dem Titel «S Weggli a dr Wiehnacht und d Glace uf der Schulreis», die am 24. Juni im Gemeindeparlament behandelt wird. Auch dass die Lehrer eine Züpfe mitbringen oder einen Kuchen backen, ist in Buchsi offenbar gang und gäbe.

«Die Lehrpersonen bezahlen diese Ausgaben still und heimlich aus dem eigenen Sack, es gibt kein Budget zum Abrechnen, sie können die Ausgaben auch nicht von den Steuern abziehen», heisst es in dem Vorstoss.

Schläfli will diesem Missstand nun abhelfen und den Lehrern auch ein «Zückerli» geben. Die Gemeinde solle den Lehrkräften pro Jahr eine Entschädigung von 100 Franken dafür entrichten. Es gehe auch darum, den Lehrpersonen Dank und Anerkennung für ihr grosses Engagement auszusprechen. Einsatz und Leistung der Lehrer seien zentral für den Schulerfolg der Kinder und die Erarbeitung sozialer Kompetenzen. Diese sozialen Kompetenzen wiederum seien entscheidend für ein friedliches Zusammenleben in der Gesellschaft. Hätte Ghadhafi in der Schule auch ab und zu ein Schoggistängeli oder eine Glace vom Lehrer erhalten, dann hätte er wegen Sohnemann Hannibal nicht ein derartiges Theater aufführen müssen.

Die Schulleiterkonferenz spricht sich jedoch gegen Schläflis Motion aus. Sie gibt zu bedenken, «dass nicht alle Lehrpersonen den Kindern Süssigkeiten spendieren, teilweise auch, weil wie bei den Fachlehrkräften die passenden Gelegenheiten fehlen». Die Freiwilligkeit solle beibehalten werden. Wenn die Lehrer Geld erhielten, könnten die Kinder «das Geschenk als Gegenleistung einfordern». Auch die Gesundheit spricht dagegen. Die Lehrer zu animieren, den Kindern Süssigkeiten zu kaufen, sei ein Schritt in die falsche Richtung. Auch das Departement Bildung und die Schulkommission sind gegen die Motion. Die Anerkennung könne sich auch anders ausdrücken, in den finanziellen Mitteln, die für die Schulen zur Verfügung stünden, und auch in engagierten Behörden. «Dies ist möglicherweise weniger spektakulär als die Übergabe einer Hunderternote, dafür aber mindestens ebenso nachhaltig.» Die Kosten werden bei 120 Lehrpersonen vom Gemeinderat rechnerisch korrekt auf 12 000 Franken veranschlagt. Die Motion sei wegen der unterschiedlichen Lehreranstellungen aber nicht umsetzbar, heisst es weiter. Uns deucht dagegen, es wäre mit einfachem Prozentrechnen zu bewerkstelligen, aber item. Zu hoffen ist, dass die Lehrpersonen weiterhin Weggli und Glacé verteilen – es wäre sonst ein harter Schlag, nicht nur für die Motivation der Kinder, sondern auch fürs lokale Gewerbe. .

Ein Artikel aus dem

(Simon Wälti, Der Bund)

 
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