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Emmi schnappt sich Fromalp

14. April 2010
 
Die Milchbauern müssen nicht zittern: In Zukunft gehört die Käseherstellerin Fromalp zwar der Luzerner Milchverarbeiterin Emmi. Der Milch-Absatz bleibt aber gewährleistet. (Bild: Urs Baumann)

Die Luzerner Milchverarbeiterin Emmi kauft die Käseherstellerin Fromalp. Was mit dem Standort in Münchenbuchsee passiert, ist unklar. Emmi hat aber angekündigt, die rund 150 Mitarbeiter in der Region weiterzubeschäftigen.


Die Fromalp AG hat eine neue Besitzerin: Von der deutschen Hochland-Gruppe kommt sie in die Hände des Luzerner Milchverarbeiters Emmi. Über den Kaufpreis für das Unternehmen, das auf den Vertrieb von Fertig-Fondue und -Raclette spezialisiert ist, wurde Stillschweigen vereinbart. Unklar ist auch, was längerfristig mit dem Fromalp-Standort im Grenzgebiet Münchenbuchsee/Zollikofen passiert. «Bis 2011 ändert sich nichts», beruhigte Emmi-Chef Urs Riedener gestern auf Anfrage. Die Wettbewerbskommission (Weko) müsse den Kauf ohnehin noch absegnen: «Im Lauf dieses Sommers wird der Entscheid gefällt sein. Wir gehen davon aus, dass die Weko uns keine Auflagen macht, da der Schweizer Käsemarkt gegenüber der EU liberalisiert ist.»

Niemand muss nach Luzern

Bei einem Ja der Weko wird Emmi das Gebäude auf dem Gemeindeboden von Münchenbuchsee wohl ab 2011 umnutzen. Statt der Herstellung von Schmelzkäse wird sie dort voraussichtlich die Logistik unterbringen. Die rund 150 Mitarbeiter müssen aber nicht mit Entlassungen rechnen. «Wenn wir Teile der Produktion auslagern, dann gehen diese nach Ostermundigen, Kirchberg oder Langnau», erklärt der Emmi-CEO. Die Arbeitsplätze blieben also im Kanton Bern. Auch der bisher von Fromalp geführte Betrieb Lützelflüh bleibt bestehen.

Stutzig macht, dass in der Emmi-Mitteilung von «Synergien» die Rede ist, die «maximal ausgenützt» werden sollen. Also ein versteckter Stellenabbau ohne Kündigungen? Riedener räumt ein, dass die Emmi-Gruppe eventuell durch natürliche Fluktuationen wie Pensionierungen Stellen streichen könnte. Gleichzeitig betont er, das Know-how der Fromalp AG, die auch die Industrie mit Fondue und Raclette beliefert, sei wichtig. «Dieses Fachwissen wollen wir über-nehmen.»

Beco zufrieden

Der Leiter des kantonalen Wirtschaftsamts Beco, Adrian Studer, sieht keinen Grund für Alarmstimmung: «Es handelt sich um einen Eigentümerwechsel. Das ist nicht per se eine schlechte Nachricht.» Dass Emmi die Aktivitäten im Kanton Bern stärke und die Fromalp nun wieder einem Schweizer Konzern gehöre, sei sogar ein gutes Signal. Ein Stellenabbau sei zwar nicht auszuschliessen, meint Studer, aber genauso gut könne das Gegenteil eintreffen – «falls der Schmelzkäse-Absatz durch die gestärkte Position wächst.»

Der Verband der Schweizer Milchproduzenten (SMP) beurteilt den Kauf ebenfalls positiv: «Laut der Medienmitteilung will Emmi die Milch, die Fromalp bislang entgegengenommen hat, weiterhin verarbeiten», sagt Sprecher Christoph Grosjean. Damit bleibe der Absatzmarkt für die Milchbauern erhalten.

Aufs Ausland gesetzt

Für Emmi ist Fromalp ein idealer Fang. «Mit dem Zukauf können wir unsere Kräfte bündeln und unseren Schmelzkäse im Ausland besser vermarkten», meint Emmi-Chef Riedener. Der Exportanteil der Fromalp beträgt immerhin 40 Prozent.

Die grösste Milchverarbeiterin der Schweiz setzt mit dem Deal ihre internationale Expansionsstrategie fort. So hat sie bereits 2009 die amerikanische Roth Käse gekauft, Anfang dieses Jahres eine 25-Prozent-Beteiligung am französischen Käseverpacker Schöpfer erworben und ist eine Kooperation mit der italienischen Venchiaredo eingegangen. Das Wachstum im Ausland soll die zurückgehenden Umsätze wegen der sinkenden Schweizer Milchpreise kompensieren. Dies hatte Emmi schon vor zwei Wochen angekündigt.

Die deutsche Hochland-Gruppe dagegen, die Fromalp erst 2006 gekauft hatte, ist froh, das Unternehmen abstossen zu können. «Der Versuch, Fromalp als Teil des Markengeschäfts einzubinden, war nicht erfolgreich. Das Geschäft hat sich in den vergangenen Jahren nicht wie gewünscht entwickelt», erklärte die Hochland-Sprecherin Petra Berners.

Ein Artikel aus der

(Mirjam Comtesse, Berner Zeitung BZ)
 
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