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Hofwil: Einst die Armenschule - heute das Gymnasium

25. April 2006
 
Der «Höfu» - hinter dieser beeindruckenden Fassade erlernten Generationen von Pädagogen ihr Handwerk. (Bild Walter Pfäffli)

Hofwil ist nur ein kleiner Weiler in der Gemeinde Münchenbuchsee. Doch einst schickten begüterte Eltern aus ganz Europa ihre Söhne dorthin. Denn der Berner Patrizier Philipp Emanuel von Fellenberg gründete auf dem Landsitz Hofwil eine Schule, die weit über die Grenzen hinaus als Vorbild galt.

Zuerst entsumpfte er das Gelände auf dem arg vernachlässigten Gut Hofwil so weit, dass er einen landwirtschaftlichen Musterbetrieb einrichten konnte. 1804 begann Fellenberg dann mit einer Armenschule. Vier Jahre später kam eine «Erziehungsanstalt für Söhne höherer Stände» dazu, in der die Schüler Unterricht in alten Sprachen, Naturwissenschaften, Religion, Musik und Sport genossen.

Doch nicht nur in pädagogischer Sicht hatte die Schule Hofwil die Nase ganz vorn: Nachdem der Sohn eines bayrischen Generals beim Schwimmen im Moossee ertrunken war, liess von Fellenberg in der Nähe der Schule 1822 ein Schwimmbecken mit Sprungturm bauen. Es war das erste künstliche Schwimmbad in der Schweiz. In Europa gab es vorher nur in Hamburg eine solche Anlage.

Mit seiner eigenen Quelle diente der Badweiher bis 1971 als Schwimmbad. Dann genügte er aber den hygienischen Anforderungen nicht mehr. Die Biedermeier- Garderoben wurden aufwändig restauriert, die ehemalige Sandsteintreppe durch Beton ersetzt. In der antiken Badi gibt es heute allerdings kein erfrischendes Nass mehr. Genauso, wie heute keine bayerischen Generalssöhne mehr die Schule in Hofwil besuchen.

Der Kanton kaufte nämlich 1884 das heute noch bestehende «Grosse Haus» und andere Teile des ehemaligen Fellenberg-Gutes und verlegte das Lehrerseminar von Münchenbuchsee dorthin. Allerdings besuchten schon bald nur noch die beiden unteren Jahrgänge Hofwil. Die beiden oberen Jahrgänge gingen ins Oberseminar im Berner Länggassquartier. Die Berner Bildungsverantwortlichen wollte das Oberseminar nicht als Internat führen, damit die künftigen Lehrer leichter Zugang fänden zu den kulturellen Einrichtungen und zur Lebensart der Stadt.

Diese Strategie war allerdings umstritten. Etliche Grossräte fanden damals, dass auch das Oberseminar in Hofwil oder an einem anderen Ort auf dem Lande eingerichtet werden müsse, damit die Zöglinge nicht «verstädterten». Grossrat Kästli aus Münchenbuchsee fügte ein weiteres Argument gegen die Stadt bei: «Wir wünschen nicht, dass die angehenden Lehrer in Bern in die Arme der Sozialisten getrieben werden - wie man uns sagt, sind zwei Drittel der städtischen Lehrer Sozialisten - und nachher als Apostel aufs Land geschickt werden, um hier die sozialistischen Lehren zu verbreiten.» Dennoch blieb wie geplant nur das Unterseminar in Hofwil. Erst 1973 wurde auch wieder die Oberstufe geführt. Allerdings folgte vor rund zehn Jahren mit der neuen Lehrerbildung das endgültige Aus für den «Semer Hofwil».

Darauf wurde Hofwil zum Gymnasium mit musisch-pädagogischem Schwerpunkt und einem Internat. Neben den regulären Gymnasiumsklassen hat Hofwil auch eine Spezialität anzubieten: den Klassenzug «Talentförderung Musik, Gestalten und Sport». Die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse absolvieren die normalerweise dreijährige Gymnasialausbildung in einem Zeitraum von vier Jahren. Sie haben darum drei zusätzlich freie Wochenhalbtage und können sich parallel zur Schule intensiv in ihr Spezialgebiet Musik, Sport oder Gestalten zu vertiefen.

Ein Artikel aus der
 
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