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Wie entsteht die Unterführung in Münchenbuchsee?

25. März 2006
 
Projekt- und Bauleiter Hier wird das "Loch" gebaut. Projektleiter Joseph Steiner (links) und Bauleiter Willi Lauper beim Spatenstich für die Unterführung in Münchenbuchsee. (Bild: Tomas Wüthrich)

Nur ein Loch graben - das reicht nicht

In Münchenbuchsee haben die Arbeiten zum 7,5 Millionen Franken teuren «Jahrhundertbauwerk» Bahnunterführung begonnen. Doch wie baut man eine Unterführung? So wirds gemacht: die Schritte bis zur Fertigstellung.


«Warum ist es so teuer, ein Loch zu graben?» Für den Projektleiter Joseph Steiner und den örtlichen Bauleiter Willi Lauper eine oft gehörte Frage. Wäre die Unterführung beim Bahnhof Münchenbuchsee nur ein Loch, käme das Ganze nicht so teuer, geben die beiden zur Antwort. Aber der Bau gestaltet sich etwas komplizierter. Die SBB-Bahnlinie Bern– Biel, die nicht für längere Zeit unterbrochen werden darf, macht die Sache zu einer komplexen Angelegenheit.

Erst stützen, dann graben

In einer ersten Phase geht es darum, die Baugrube für die ganze Unterführung zu erstellen. Dies ist das «Loch», in das schliesslich die Wände, der Boden und die Decke der Unterführung gebaut werden. Die Baugrube muss durch eine provisorische Stützkonstruktion gehalten werden. Zum Bau dieser provisorischen Stützen werden mit einem riesigen Bohrer von oben her senkrecht Löcher ins Erdreich gebohrt: Alle 2 Meter entsteht ein 14 Meter tiefes Bohrloch, in das Stahlträger eingelassen und einbetoniert werden. Erst wenn alle Stahlträger einbetoniert sind, kann mit dem Graben des «Loches» begonnen werden. Während des Aushubs werden zwischen den Stahlträgern von oben nach unten fortlaufend die Wände der Baugrube ausbetoniert. So entsteht die erste von drei Baugruben.

Problem Grundwasser

Bevor mit dem Bau des ersten Teils der Unterführung begonnen werden kann, muss im Untergrund der Grube das Erdmaterial ausgetauscht werden. Ein geologisches Gutachten hat nämlich ergeben, dass das Material des Bahndammes nicht ideal ist. In dieser Tiefe trifft man auf den Grundwasserspiegel, der während der Bauzeit mit Hilfe von Pumpen abgesenkt werden muss. Ist das Material im Untergrund ausgetauscht, kann mit dem Bau des ersten Teils der Unterführung begonnen werden: Auf der Seite der Talstrasse entstehen die Seitenmauern, der Boden und die Decke des ersten Abschnittes der Unterführung.

Mauer auf Rollen

In einer zweiten Bauphase wird die Baugrube für den Mittelteil ausgehoben. Hier werden jedoch vorerst nicht die Mauern für das Mittelstück, sondern jene für den Abschluss der Unterführung auf der Seite des Dammwegs gebaut. Das Mauerstück wird auf eine Art Schiene mit Rollen gebaut, die so genannte Verschubbahn, auf der es später unter die Geleise der SBB geschoben wird. Ist das Teilstück fertig gestellt, werden bei den SBB-Geleisen zwei vorgefertigte Hilfsbrücken eingebaut, damit darunter die letzte Baugrube ausgehoben werden kann. In dieser Bauphase wird hauptsächlich nachts gearbeitet, um den Bahnverkehr nicht zu beeinträchtigen. In dieser dritten Baugrube muss nun die Fortzsetzung der Verschubbahn erstellt werden, auf der schliesslich das 1100 Tonnen schwere Mauerwerk unter die SBB-Geleise geschoben wird.

Die Hilfsbrücke

Ist diese schwierige und spektakuläre Bauphase geschafft, folgt der Ausbau der Hilfsbrücke unter den SBB-Geleisen, und die richtigen Schienen werden auf der Unterführung verlegt. Mit dem Bau des nun noch fehlenden Mittelteils der Unterführung wird der Rohbau des Bauwerks abgeschlossen. Damit die Unterführung befahr- und begehbar wird, muss aber noch viel geschehen. «Neben den Strassenbauarbeiten müssen auf der Seite des Dammwegs mehrere Stützmauern und eine Fussgängertreppe erstellt werden», so Joseph Steiner. Zudem entsteht auf Geleisehöhe eine Brücke für die von Hofwil herkommende kantonale Veloroute. Die Eröffnung der Unterführung mit Strasse, Veloweg und Fussweg ist auf Ende 2007 vorgesehen.

Nach über 90 Jahren kann der Grundstein für die Bahnunterführung in Münchenbuchsee gelegt werden. Bereits 1913 wurden Pläne für dieses Bauwerk gezeichnet, um eine Trennung des Dorfes durch die Bahnlinie zu verhindern. «Die Pläne haben sich seither nicht allzu gross verändert, der Einbezug von Fussgängern und Velofahrern hat sich aber verbessert», erklärte Münchenbuchsees Gemeindepräsident Walter Bandi anlässlich des Spatenstichs. Mittlerweile ist es nicht mehr nur die Zweiteilung des Dorfes, die eine Unterführung nötig macht, sondern die Staus vor der Barriere.

Als Grundstein hat der Gemeinderat von Münchenbuchsee ein eisernes Buch in den Erdboden eingelassen: Es wurde durch ein 10 Meter tiefes Bohrloch abgeseilt und wird nach Beendigung der Bauarbeiten ungefähr einen Meter unter der Fahrbahn der Unterführung liegen. Im Innern des verschweissten Buches ist eine Dokumentation zum Unterführungsprojekt enthalten: die ganzen 90 Jahre.


Ein Artikel aus

(Lukas Schwab, Berner Zeitung BZ)
 

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