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Hier wird das "Loch" gebaut.
Projektleiter Joseph Steiner (links) und Bauleiter Willi Lauper
beim Spatenstich für die Unterführung in Münchenbuchsee. (Bild:
Tomas Wüthrich) |
Nur ein Loch graben - das reicht nicht
In Münchenbuchsee haben die Arbeiten zum 7,5 Millionen Franken teuren
«Jahrhundertbauwerk» Bahnunterführung begonnen. Doch wie baut man eine
Unterführung? So wirds gemacht: die Schritte bis zur Fertigstellung.
«Warum ist es so teuer, ein Loch zu graben?» Für den Projektleiter
Joseph Steiner und den örtlichen Bauleiter Willi Lauper eine oft gehörte
Frage. Wäre die Unterführung beim Bahnhof Münchenbuchsee nur ein Loch,
käme das Ganze nicht so teuer, geben die beiden zur Antwort. Aber der
Bau gestaltet sich etwas komplizierter. Die SBB-Bahnlinie Bern– Biel,
die nicht für längere Zeit unterbrochen werden darf, macht die Sache zu
einer komplexen Angelegenheit.
Erst stützen, dann graben
In einer ersten Phase geht es darum, die Baugrube für die ganze
Unterführung zu erstellen. Dies ist das «Loch», in das schliesslich die
Wände, der Boden und die Decke der Unterführung gebaut werden. Die
Baugrube muss durch eine provisorische Stützkonstruktion gehalten
werden. Zum Bau dieser provisorischen Stützen werden mit einem riesigen
Bohrer von oben her senkrecht Löcher ins Erdreich gebohrt: Alle 2 Meter
entsteht ein 14 Meter tiefes Bohrloch, in das Stahlträger eingelassen
und einbetoniert werden. Erst wenn alle Stahlträger einbetoniert sind,
kann mit dem Graben des «Loches» begonnen werden. Während des Aushubs
werden zwischen den Stahlträgern von oben nach unten fortlaufend die
Wände der Baugrube ausbetoniert. So entsteht die erste von drei
Baugruben.
Problem Grundwasser
Bevor mit dem Bau des ersten Teils der Unterführung begonnen werden
kann, muss im Untergrund der Grube das Erdmaterial ausgetauscht werden.
Ein geologisches Gutachten hat nämlich ergeben, dass das Material des
Bahndammes nicht ideal ist. In dieser Tiefe trifft man auf den
Grundwasserspiegel, der während der Bauzeit mit Hilfe von Pumpen
abgesenkt werden muss. Ist das Material im Untergrund ausgetauscht, kann
mit dem Bau des ersten Teils der Unterführung begonnen werden: Auf der
Seite der Talstrasse entstehen die Seitenmauern, der Boden und die Decke
des ersten Abschnittes der Unterführung.
Mauer auf Rollen
In einer zweiten Bauphase wird die Baugrube für den Mittelteil
ausgehoben. Hier werden jedoch vorerst nicht die Mauern für das
Mittelstück, sondern jene für den Abschluss der Unterführung auf der
Seite des Dammwegs gebaut. Das Mauerstück wird auf eine Art Schiene mit
Rollen gebaut, die so genannte Verschubbahn, auf der es später unter die
Geleise der SBB geschoben wird. Ist das Teilstück fertig gestellt,
werden bei den SBB-Geleisen zwei vorgefertigte Hilfsbrücken eingebaut,
damit darunter die letzte Baugrube ausgehoben werden kann. In dieser
Bauphase wird hauptsächlich nachts gearbeitet, um den Bahnverkehr nicht
zu beeinträchtigen. In dieser dritten Baugrube muss nun die Fortzsetzung
der Verschubbahn erstellt werden, auf der schliesslich das 1100 Tonnen
schwere Mauerwerk unter die SBB-Geleise geschoben wird.
Die Hilfsbrücke
Ist diese schwierige und spektakuläre Bauphase geschafft, folgt der
Ausbau der Hilfsbrücke unter den SBB-Geleisen, und die richtigen
Schienen werden auf der Unterführung verlegt. Mit dem Bau des nun noch
fehlenden Mittelteils der Unterführung wird der Rohbau des Bauwerks
abgeschlossen. Damit die Unterführung befahr- und begehbar wird, muss
aber noch viel geschehen. «Neben den Strassenbauarbeiten müssen auf der
Seite des Dammwegs mehrere Stützmauern und eine Fussgängertreppe
erstellt werden», so Joseph Steiner. Zudem entsteht auf Geleisehöhe eine
Brücke für die von Hofwil herkommende kantonale Veloroute. Die Eröffnung
der Unterführung mit Strasse, Veloweg und Fussweg ist auf Ende 2007
vorgesehen.
Nach über 90 Jahren kann der Grundstein für die Bahnunterführung in
Münchenbuchsee gelegt werden. Bereits 1913 wurden Pläne für dieses
Bauwerk gezeichnet, um eine Trennung des Dorfes durch die Bahnlinie zu
verhindern. «Die Pläne haben sich seither nicht allzu gross verändert,
der Einbezug von Fussgängern und Velofahrern hat sich aber verbessert»,
erklärte Münchenbuchsees Gemeindepräsident Walter Bandi anlässlich des
Spatenstichs. Mittlerweile ist es nicht mehr nur die Zweiteilung des
Dorfes, die eine Unterführung nötig macht, sondern die Staus vor der
Barriere.
Als Grundstein hat der Gemeinderat von Münchenbuchsee ein eisernes Buch
in den Erdboden eingelassen: Es wurde durch ein 10 Meter tiefes Bohrloch
abgeseilt und wird nach Beendigung der Bauarbeiten ungefähr einen Meter
unter der Fahrbahn der Unterführung liegen. Im Innern des verschweissten
Buches ist eine Dokumentation zum Unterführungsprojekt enthalten: die
ganzen 90 Jahre.
Ein Artikel aus

(Lukas Schwab, Berner Zeitung BZ) | |