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17. März 2006 | ||||
Seit fünf Jahren gibt es den Tierfriedhof in Münchenbuchsee - nur 25 von 500 Urnen sind belegt. Die emotionale Bindung der Menschen zu ihren Vierbeinern werde immer stärker, beobachtet der Veterinär Fredi Witschi. Trotzdem leisten sich nur wenige ein Urnengrab für über 600 Franken. Lieber verstreuen sie die Asche am Lieblingsplatz des Tiers. Es gab doch keinen Kaiserschnitt»: Tierarzt Fredi Witschi ist zurück in seinem Büro, eben hat er einer Hündin geholfen, ihre Welpen auf die Welt zu bringen. Er setzt sich an seinen Schreibtisch und blickt in den Garten zum Tierurnenfriedhof. Als die Grabstätte in Münchenbuchsee vor fünf Jahren eingeweiht und Kater Pascha als erstes Tier beigesetzt wurde, war die Aufmerksamkeit gross. Inzwischen ist Stille eingekehrt und die zwei Meter hohe Grabpyramide aus italienischem Marmor auch tatsächlich zu einem Ort der letzten Ruhe geworden. «Mühe, Abschied zu nehmen» Hier ruhen nebst einer Löwin Meerschweinchen, Hunde und Katzen. Platz hätte es für 500 Tiere – belegt sind aber nur 25 Urnen. Damit wurden die Erwartungen der Firma Cheruba AG aus dem Buchs (SG), welche für die Verwaltung der Tierfriedhofs verantwortlich zeichnet, bei weitem nicht erfüllt. Sie war bei der Eröffnung davon ausgegangen, dass die Pyramide innert fünf Jahren voll belegt sein werde. «Aus unternehmerischer Sicht lohnt sich der Tierfriedhof sicher nicht», sagt Veterinär Witschi, der den Boden für die Grabstätte im Baurecht zur Verfügung stellt. Nur: Darum gehe es gar nicht. «Immer mehr Menschen haben Mühe, von ihrem Tier Abschied zu nehmen. Die emotionale Bindung zwischen Mensch und Tier wird immer stärker», weiss der Veterinär. Es gehe darum, den Menschen bei ihrer Trauerarbeit zu helfen. Manchmal sei die Bindung des Menschen zu seiner Katze oder seinem Hund so gross wie zu einem Menschen. «Ein Tier leistet nie Widerstand und ist seinem Herrchen stets treu zur Seite», erklärt Witschi diese starke emotionale Bindung. Sie sei für die Menschen gerade in einem anonymen Zeitalter wie dem jetzigen sehr wichtig. Natürlich gebe es auch Leute, die ihre Tiere vermenschlichten, doch «zum Glück» komme dies nur selten vor. «Es ist wichtig, dass die Menschen sich rechtzeitig von ihren Vierbeinern trennen und sie in Würde gehen lassen», sagt Witschi. Es sei schlecht, das Tier erst dann einschläfern zu lassen, wenn es schon halb tot sei. Aus Mitzi kein Tiermehl machen Ein Urnengrab auf dem Tierfriedhof in Münchenbuchsee ist nicht billig. Die Belegung eines Platzes für drei Jahre kostet samt Bestattung und Namensplakette 500 Franken. Dazu kommen die Kosten für das Krematorium von 130 bis 150 Franken. Es seien aber oftmals gerade nicht die gut betuchten Besitzer, die sich diese Bestattungsform leisteten, weiss Witschi. Sie sparten, damit sie sich ein Urnengrab für ihr Haustier leisten können. «Die Tierbesitzer wollen nicht, dass ihr Liebling in einer Kadaverentsorgungsstelle zu Tiermehl verarbeitet wird», sagt Witschi. Er beobachtet, dass immer mehr Besitzer ihre Vierbeiner deshalb nach deren Ableben kremieren lassen. Sie verstreuen die Asche später am Lieblingsort von Bello und Mitzi oder zu Hause im Garten. Andere bevorzugen es, die Asche ihres Haustiers daheim im Wohnzimmer im Buffet aufzubewahren. Wiederum andere begraben den toten Vierbeiner im Wald oder hinter dem Haus. Das sei, so Witschi, je nach Gemeinde und Gewässerschutzvorschriften für Tiere bis maximal zehn Kilogramm erlaubt. Draussen, auf dem Tierurnenfriedhof im Garten seiner Praxis, sehe er die Besitzer im ersten Jahr nach dem Ableben des Tiers oft, mit dem Verarbeitungsprozess nähmen die Besuche ab. Witschi hat es sich zum Hobby gemacht, den Friedhof zu gestalten, mit Rosenbüschen, einer Eisenplastik und einem Wasserspiel. Jetzt aber wird er wieder in der Praxis gebraucht: Er muss seiner Kollegin helfen, einem widerspenstigen Hund die Krallen zu schneiden. Ein Artikel aus (Catherine Arber, "Der Bund") | ||||
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