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Neuer Entsorgungshof in Münchenbuchsee

12. Januar 2006
 
Urs Schwendimann vor dem Entsorgungshof "brings" Der letzte Gang für das, was uns einst am Herzen lag. Matthias Schwendimann (vorne) freut sich, dass die Entsorgungsstelle vom Start weg Erfolg hatte. (Bild: Urs Baumann)
 
Ruhet sanft, alte Matratzen
 
Privater Werkhof erledigt das Dreckgeschäft
Hier landet, was einst schön und kostbar war und jetzt bloss noch Platz versperrt: Seit zehn Tagen betreibt die Schwendimann AG den neuen Entsorgungshof «brings!» in Münchenbuchsee.

Zwei tote Wildschweine karrt der Bauer mit seinem Traktor an diesem kalten Winternachmittag auf die Abfallsammelstelle «brings!» an der Bielstrasse in Münchenbuchsee. Er habe die Tiere verendet im Wald gefunden, erklärt der Landwirt. Jetzt lädt er die eisig erstarrten Kadaver auf den «Tierleichenwagen», einen schmucklosen Handwagen mit Seitenwänden.

Ein «brings!»-Mitarbeiter deckt die toten Vierbeiner mit einer blauen Plache zu. «Das ist kein erfreulicher Anblick», sagt er, bevor er die beiden Wildschweine wägt, registriert und in den Kadavercontainer wegsperrt. Es stinkt, als er die Tür des grossen Kühlbehälters öffnet.

Ghüdertourismus droht

Alltag in der von der Firma Schwendimann AG betreuten Abfallsammelstelle an der Bielstrasse in Münchenbuchsee. Seit Anfang Jahr bedient das Entsorgungsunternehmen die Kundschaft am neuen Standort in der Nähe des Autoverwerters Rupp. Vorher hat die Schwendimann AG diese Dienstleistung am eigenen Geschäftsdomizil am Dammweg betrieben. Noch bis vor zwölf Jahren hat die Gemeinde selbst den Abfall entgegengenommen.
Die Schwendimann AG entsorgt in 33 Gemeinden rund um Bern den Haushaltkehricht. In Münchenbuchsee betreibt die hier am Dammweg ansässige Firma ausserdem den Werkhof der Gemeinde. Dieses Outsourcing ist in der Region einzigartig. Seit 2001 ist in Buchsi ein privates Unternehmen für das verantwortlich, wofür anderswo die Gemeinden zuständig sind: Die Mitarbeiter der Schwendimann AG und zusätzlich meist zwei Leute aus Beschäftigungsprogrammen reinigen unter anderem die Strassen und öffentlichen Anlagen, räumen Schnee weg, leeren Robidogs und Abfallbehälter. pst

Die Bürger von Münchenbuchsee, Deisswil, Wiggiswil und Diemerswil können ihr Material hier gratis entsorgen - vom Wildschwein bis zum Sofa, von den alten Ski bis zu ausgedienten Matratzen. Weil sonst Ghüdertourismus droht, kontrollieren die Firma und die Gemeinde die Adressen der Anlieferer. Auch Auswärtige sind willkommen, sie müssen allerdings bezahlen.

35 Sorten Abfall

Verrechnet wird nach Gewicht und Art des Materials. 35 so genannte Fraktionen unterscheiden die Abfallspezialisten. Ein Augenschein bei der Sammelstelle zeigt, dass Entsorgen nicht bloss Wegschmeissen ist: Die Schwendimann-Mitarbeiter separieren das Material in säuberlich angeschriebene Behälter. Brennbares transportiere man in die Kehrichtverbrennungsanlage, alles Übrige werde Recycling-Unternehmen übergeben, erklärt Firmenleiter Matthias Schwendimann.

[i] «brings!» an der Bielstrasse 40 ist montags bis freitags von 15.30 bis 18.30 und samstags von 8.30 bis 17 Uhr offen.


Spart Buchsi dank Billigbüezern?

Eine AG statt der Gemeinde führt den Werkhof: «Trotz kleinerer Löhne sind unsere Leute zufriedener», so Chef Schwendimann.

Herr Schwendimann, ein Privatunternehmen muss rentieren. Ihre Firma verdient dann am meisten, wenn sie die Werkhofarbeiten möglichst husch, husch erledigt.

Matthias Schwendimann: Nein, stimmt nicht. Die Bevölkerung beobachtet unsere Arbeit genau und reagiert sehr schnell, wenn wir pfuschen. Beim Winterdienst zum Beispiel schlampen wir nur einmal - dann sind wir diesen Auftrag für immer los. Darum leisten wir in Münchenbuchsee 120-prozentige Arbeit ...

... verrechnen nur 100 Prozent ...

... und bekommen pauschal von der Gemeinde 80 Prozent (lacht). Im Ernst: Münchenbuchsee spart durch uns jährlich 250 000 Franken. Die Behörden haben die Kosten durch eine externe Stelle ermitteln lassen.


Buchsi und Sie sparen auf dem Buckel Ihrer Mitarbeiter. In der Stadt Bern verdient ein 40-Jähriger, der Kehrichtsäcke auflädt, 48 000 bis 50 000 Franken brutto. Können Sie mithalten?

Ja. Wir haben bei der Kehrichtentsorgung die gleichen Ansätze. Bei den Beschäftigten im Werkhof müssen wir allerdings passen. Gemeindeangestellte verdienen monatlich rund 300 Franken mehr und arbeiten zudem weniger lang. Dafür haben unsere Leute mehr Spass an der Büez.

Strassenreinigung oder Ähnliches bietet Jobs für Menschen, die sonst kaum Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben. Ihr Unternehmen will sich nicht mit solchen Leuten belasten.

Doch. Auch wir übernehmen Verantwortung. Bei insgesamt 45 Mitarbeitern beschäftigen wir durchschnittlich 4 Leute, die sonst vermutlich durch die Maschen fallen würden. Überdies bilden wir Lehrlinge aus, zurzeit vier, ab August sogar fünf.

(Interview: Peter Steiger, Berner Zeitung BZ)
 


Ein Artikel aus der

(Peter Steiger, Berner Zeitung BZ)
 

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