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SP-Staatsanwältin mit bäuerlichen Wurzeln

17.Februar 2011
 
Eva Häberli Vogelsang ist in diesem Jahr Präsidentin des Gemeindeparlaments in Münchenbuchsee.

Eva Häberli Vogelsang stammt aus «einer SP-Familie». Sie wuchs im Spiegel in der Gemeinde Köniz auf, ihre Eltern engagierten sich in der lokalen SP. Eine Generation früher jedoch stand noch ein «V» zwischen den beiden Buchstaben: Ihre Grosseltern bewirtschafteten in Münchenbuchsee einen Bauernhof und standen der SVP nahe. Seit zehn Jahren nun wohnt die 36-jährige Staatsanwältin zusammen mit ihrem Mann und den zwei Kindern auf dem «Familienwohnsitz». Das Land und die Scheune werden durch Pächter weiterhin landwirtschaftlich genutzt. Aus dem Wohnzimmer geht der Blick auf eine weite Hofstatt mit Äpfel-, Birnen- und Zwetschgenbäumen. «Mein Grossvater hat die Hofstatt seinerzeit meiner Grossmutter geschenkt», sagt Häberli. Hier sieht Münchenbuchsee noch aus wie ein Dorf und nicht wie eine Agglomerationsgemeinde mit rund 10 000 Einwohnerinnen und Einwohnern.

«Die Politik auf der lokalen Ebene macht mir Spass», sagt Eva Häberli, die im letzten Dezember zur Präsidentin des Grossen Gemeinderats gewählt wurde. Seit 2008 ist sie Mitglied im Parlament, vorher politisierte sie während vier Jahren in der Planungskommission. Familienergänzende Kinderbetreuung und der Ortsbildschutz sind zwei der Themen, die ihr am Herzen liegen. «Ich bin sehr stolz, oberste Buchserin zu sein», sagt sie. Auch wenn das Parlamentspräsidium in Buchsi natürlich weniger Bedeutung habe als in einer Stadt oder auf kantonaler oder sogar eidgenössischer Ebene. Sie will sich detailliert auf die Sitzungen vorbereiten und damit ihren Teil zu einer «angeregten politischen Diskussion» beitragen. Im Rat dürfe es zwar zur Sache gehen; sie hofft aber, dass auf persönliche Angriffe verzichtet wird. Derzeit werde im Rat fair und sachlich diskutiert. Zum heutigen Auftakt wartet jedoch ein kontroverses Thema: der beabsichtigte Verkauf der Gemeinschaftsantennenanlage an die Cablecom, die bei vielen als Bösewicht im Kabelfernsehmarkt gilt. «Es wird ein interessanter Start», sagt Häberli dazu.

Keine Lust auf Diplomatie

Seit sieben Jahren ist Eva Häberli als Untersuchungsrichterin tätig. Per Neujahr wurden im Zuge der Justizreform die Untersuchungsrichter zu Staatsanwälten ernannt und ihre Aufgaben erweitert. Nicht nur die Leitung der Untersuchungen, die Einvernahmen und Verhaftungen stehen nun im Pflichtenheft, sondern auch die Hauptverhandlungen und die Plädoyers. Strafrecht habe sie immer fasziniert, sagt Häberli, die 2003 vom Grossen Rat zur – damals – jüngsten Untersuchungsrichterin des Kantons gewählt wurde. Vorher arbeitete sie beim EDA als Spezialistin für Kinderrecht. «Eine diplomatische Karriere wollte ich aber nicht einschlagen.» Darum wechselte sie in die kantonale Justiz. Die Arbeit sei «sehr spannend». «Wir haben mit Menschen in Ausnahmesituationen zu tun.» Menschlich am schwierigsten seien «aussergewöhnliche Todesfälle». Unter diesem Stichwort werden Tötungsdelikte, Suizide und Unfälle zusammengefasst.

Liebe zur Malerei

Beruflich hat sie mit den Schattenseiten des menschlichen Lebens zu tun hat, bei ihrem Hobby, dem Malen, steht das Licht im Zentrum. Sie hat sich im Haus ein Atelier eingerichtet und malt vorwiegend Porträts; im Wohnzimmer hängt das Bild einer Frau aus Afrika mit ihrem kleinen Kind. «Die Landschaftsmalerei dagegen liegt mir nicht besonders», sagt sie. Zu ihren Lieblingsmalern gehören die Impressionisten. «Und man darf es fast nicht sagen, auch Albert Anker gefällt mir sehr», sagt Häberli über den grossen Schweizer Maler, der für viele eher für die Welt der SVP als für jene der SP steht. Auch von Franz Gertsch zeigt sich Häberli beeindruckt, und die Segantini-Ausstellung in der Fondation Beyeler möchte sie gerne besuchen.

Früher zählte das Reisen in ferne Länder zu ihren grossen Hobbys: Marokko, Namibia, Südafrika, Tansania hat sie besucht, mit der Transsibirischen Eisenbahn fuhr sie durch Asien, und auch den Kaukasus hat sie bereist. Oft besuchte sie dabei ihre Schwester, die für die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit tätig ist. Derzeit beschränkt sie sich der Kinder wegen – Marco wird drei, Leandro ist einjährig – beim Reisen aber auf Europa und die Schweiz.

Ein Artikel aus dem

(Simon Wälti, Der Bund)

 
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